Aus den Beständen des Zwettler Stadtmuseums: Der Zunftkrug der Maurer und Steinmetze

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Zunftkrug der Maurer

Der interessanteste aller Zunftkrüge der Zwettler Handwerker, die im hiesigen Stadtmuseum zu sehen sind, ist ohne Zweifel jener der Maurer und Steinmetze. Bis Ende Oktober 2010 befindet er sich im 2. Stock des Museums, in der Sonderausstellung „Ziegler, Sandler, Maurersleut’ - Maurerhandwerk und Ziegelbrennerei in Zwettl“, dann kehrt er wieder an seine angestammten Platz im 1. Stock zurück, in den Museumsbereich „Handwerk, Gewerbe und Zünfte“.
Dieser Zinnkrug kam erst 1913 aus dem Besitz der Baugenossenschaft Zwettl in den Museumsbestand. Er wird daher auch nicht wie die anderen Zwettler Zunftkrüge in Paul Buberls 1911 erschienenen Kunsttopographie des Bezirkes Zwettl erwähnt und beschrieben.
Dieser leicht konische Krug ist 45,5 cm hoch, er ruht auf drei Löwenfüßen, sein breiter Bandhenkel ist stark heruntergezogen. Auf dem flachen Deckel hockt ein Löwe mit profiliertem Sockel. Er hält ein verkehrt aufgelötetes Schild mit der Aufschrift: E. E. H. / D. S. [?] / V. M. Z. 1633. Deutung: Ein Ehrsames Handwerk / Der Steinmetzen ? / Vnd Maurer Zwettl.
Vorne befindet sich ein Loch für die ursprünglich vorhandene Pipe. Der Körper des Kruges ist durch gerillte Bänder in vier Abschnitte geteilt. Im obersten und im dritten Band finden sich Buchstaben in Fraktur, die allerdings kaum lesbar sind. Möglicher Weise handelt es sich um einen religiösen Text. Diese Kanne folgt damit der Zunftkanne der Schweidnitzer Bäcker (Swidnica in Polen) von 1498 (jetzt: Kunstgewerbemuseum Köln), wo in sechs Zeilen wohl von einer Seelen- oder Sühnemesse zu Weihnachten die Rede ist. Der Sinn hat sich noch nicht völlig aufklären lassen. Auf einer ähnlichen Kanne in Düsseldorf steht: umučene našeho pana gezu / krístie. Das heißt: Das Leiden unseres Herren Jesu Christi. Manche der umlaufenden Minuskelschriften auf mährischen Schleifkannen lassen sich entziffern, bei anderen dagegen ist kein Sinn zu entdecken. In den Buchstabenreihen ohne erkennbaren Sinn vermutete man geheimnisvolle Worte, Segenssprüche usw., die nach Art einer Chiffre nur von Wissenden entziffert werden können.
Zunftkrug der Maurer - DetailansichtÄhnliche Kannen gibt es zum Beispiel von den Bäckern in Olmütz (Olomouc), Anfang 16. Jh. und aus Trebitsch (Třebič) in Mähren, 1557. Am ehesten vergleichbar ist eine Zunftkanne aus Böhmen, um 1530, die sich im Kunstmuseum der Stadt Düsseldorf befindet.
Die hier ausgestellte Kanne dürfte bereits aus dem 16. Jahrhundert stammen und die Datierung „1633“ auf dem angelöteten Schild erst später erhalten haben. Vielleicht wurde das Schild von einer anderen Kanne auch nur irrtümlich darauf montiert. Einen spätgotischen Eindruck macht auch die kreuzförmige Durchbrechung beim Henkelansatz, die jeweils dreipassförmig ausläuft. Im Boden ist ein schönes Medaillon (Kreuzigung) eingesetzt.

Quelle:
Expertise von Dr. Georg WACHA (Linz) vom 23. August 1992 über die Zinnobjekte des Stadtmuseums Zwettl, erstellt im Auftrag des NÖ Landesmuseums.
Literatur:
Georg WACHA, Zinngießer in Niederösterreich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, NF 62/1 (1996) 345-365.
Susanne HAWLIK/Friedel MOLL/Mathias PFAFFENBICHLER/Franz PÖTSCHER/Günter SCHNEIDER, Stadtmuseum Zwettl, Katalog (Zwettl 2004) S 43f.

08.07.2010